GSM, GPS und Sat-Telefon in einem Gerät – Thuraya macht es zu einem relativ günstigem Preis möglich.
Jeder Blauwasser-Segler kennt mehrere Probleme, die sich auf großer Fahrt stets ergeben. Eines ist die eingeschränkte Kommunikationsmöglichkeit von Bord in Richtung restliche Welt. Mittlerweile gehört mindestens ein Mobiltelefon (”Handy”) zu den ständigen Begleitern der meisten Menschen in unseren Breitengraden. Doch an Bord einer Yacht ist schnell kein GSM Empfang mehr, sobald man sich nur ein paar Seemeilen von Küste entfernt. Selbst Wassersportler am Bodensee kennen dies. Deren Mobiltelefon zeigt zwar eine gute Empfangsstärke des heimischen Mobilfunkproviders an, das Telefon klingelt bei einem Anruf, man hört auch den Anrufer, nur dieser kann einen nicht verstehen. Grund hierfür ist die (für diesen Zweck) zu geringe Sendeleistung (oder schlechte Antenne) des eigenen Mobilfunktelefons.
Gegen dieses Kommunikationsloch gibt es jetzt relativ kostengünstig Abhilfe.
Klar, den meisten fällt jetzt UKW Seefunk ein. Das ist sicherlich eine Kommunikationsform, die eine hohe Sicherheitsrelevanz in A1 Gebieten (nennen wir es einfach mal “Küstennähe”) hat und an Bord eines jeden Sportboot gehört. Doch sollte hier nicht nur reiner Sprechfunk (NON-GMDSS) zum Einsatz kommen, sondern viel mehr die modernen GMDSS tauglichen DSC-Controller. Kombiniert mit entsprechender moderner Technik (GPS, AIS, Navtex, Radar, etc.) leistet man sich keinen Luxus, sondern einen entscheidenden Beitrag zur eigenen Sicherheit auf See. Neben den (mittlerweile relativ erschwinglichen) elektronischen Geräten, braucht der Schiffsführer spätestens seit dem 01.10.2007 hierfür eine passende Funklizenz, das Short Range Certificate (SRC). Welches allerdings durchaus Sinn macht.
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen nicht-öffentlichen und öffentlichen Funkverkehr. Der nicht-öffentliche Funkverkehr wird zwischen Schiffen, oder Seefunkstelle-Küstenfunkstelle abgewickelt. Der öffentliche Funkverkehr erlaubt es dem Funker über sein UKW-Sprechfunkgerät und einer entsprechenden Küstenfunkstelle (z.B. DP07) ein Gespräch in das Telefonnetz zu führen. Dies ist dann allerdings komplex, unkomfortabel und auch nicht gerade günstig. Für den öffentlichen Nachrichtenaustausch ist dies daher meiner Meinung nach wenig sinnvoll, wenngleich ich diese KüFuStellen als durchaus notwendig sinnvoll erachte.
Doch spätestens dann, wenn man ein A1 Gebiet verlässt, wird die Sache schon komplexer. Erstens erreicht man dann mit UKW Seefunk keine MRCCs (Martime Rescue Co-ordination Centre), also keine Küstenfunkstelle (KüFuSt) mehr und zweitens ist es fraglich ob andere Schiffe sich in der Nähe befinden und im Ernstfall Hilfe leisten können. Hier benötigt man dann bereits ein Long Range Certificate (LRC) und entsprechende Funkgeräte. Deren Bedienung oft komplex sind und auch die Anschaffung ein tiefes Loch in die Bordkasse reißt. Auch hier gilt, dass dies natürlich Sinn macht und sicherheitsrelevant ist.
Für die Kommunikation nach Hause, um der Schwiegermutter zum Geburtstag zu gratulieren und der Freundin ein Lebenszeichen zu geben, ist dies allerdings sehr mühsam, kompliziert und noch dazu unglaublich teuer.
Hier kommt jetzt die Neuheit und der eigentliche Grund dieses Artikels mit ins Spiel. Der in den Vereinigten Arabischen Emiraten beheimatete Satellitentelefonie-Anbieter Thuraya hat bereits im Juni ein neues, spezielles Mobilfunktelefon vorgestellt. Das SG-2520 kann sowohl mit den Satelliten des Providers, als auch mit konventioneller GSM Technik betrieben werden. Wenn kein GSM Signal des eigenen Providers zur Verfügung steht, wird die abgehende Verbindung via Satellit hergestellt. Zusätzlich hat das SG-2520 noch einige weitere Goodies mit an Bord. So verfügt es über “normale” Ausstattungsmerkmale heutiger Mobilfunkgeräte (Kamera, MMS, Bluetooth, USB, etc.) und ist auch nicht deutlich viel größer als die gängigen Mobilfunkgeräte auf dem Markt. Auch das Gewicht (170gr.) ist nur unerheblich größer als bei einem “normalen” Handy.
Nicht ganz alltäglich in der Ausrüstungsliste “normaler” Mobiltelefone ist allerdings der eingebaute GPS Empfänger, der für Navigationsaufgaben gerüstet ist. Über SD-Karten lassen sich die geräteeigenen 128MB schnell aufstocken. Im Inneren des SG-2520 arbeitet WinCE 4.x als graphische Bedienoberfläche des 176×220 Pixel großen Displays. Dies müsste für einfache Navigationsaufgaben ausreichend sein.
Schwachpunkt, das haben allerdings alle Satellitentelefone gemein, ist sicherlich der relativ hohe Stromverbrauch. Mit dem mitgeliefertem Akku soll es das SG-2520 auf 2,4 Stunden Gesprächszeit und ca. 40 Stunden Standby-Zeit im Satellitenmodus bringen. Bei reinem GSM Betrieb erhöhen sich diese Zeiten auf angegebene 4 Stunden “dauerquasseln” und 70 Stunden auf einen Anruf warten.
Derzeit hat Thuraya zwei Satelliten im Umlauf. Aus diesem Grund kann man mit diesem System auch nicht weltweit telefonieren. Derzeit ist ein Telefonbetrieb nur in Europa, Nord- und Zentralafrika, Naher Osten, Zentralasien und Indien möglich. Eine genaue Grafik der Netzabdeckung findet man hier. Für Weltumsegler, oder Leute die den Atlantik überqueren möchten ist also eher ein anderes Satellitensystem (z.B. Iridium) zu empfehlen.
Bis dato eigentlich fast nur Nachteile bzw. Einschränkungen. Wieso wird dieses System dann hier vorgestellt? Ganz einfach, es sind die Preise, welche Thuraya anbietet. Diese sind quasi schon teilweise günstiger als die Roamingkosten bei manchen konventionellen Mobilfunkanbietern. So sollen netzinterne Gespräche nur 20 US-Cent pro Minute, Verbindungen in andere Netze 39 US-Cent zzgl. MwSt. kosten. Die Gebühren basieren auf Prepaid, man muss also zuerst “Gesprächsminuten” kaufen. Eine Thuraya SIM-Karte kostet 5 Dollar im Jahr. Gespräche zu den Inmarsat-Satellitennetzen und Iridium-Telefonen werden mit 6 Dollar pro Minute abgerechnet. SMS Nachrichten (von der besorgten Freundin
) werden kostenlos empfangen und können sogar kostenlos über das Internet verschickt werden. Alles in allem also durchaus familienfreundlich …
Diese Telefongebühren sind meines Wissens nach im Satellitenbereich revolutionär. Und da keine monatliche Grundgebühr anfällt, sicherlich auch für Charterer von Interesse, die sich in den abgedeckten Bereichen der beiden Thuraya Satelliten befinden. Wir werden dies sicherlich im Rahmen unseres “großen” Spezials “elektronisch Navigation & Kommunikation an Bord” nochmals genauer testen. Denn, auch wenn es hier zeitweise etwas ruhiger ist, wir arbeiten an diesem Thema und basteln fleißig. So stay tuned!


Na ja, zum Kommunizieren lohnt sich auch eine UMTS Flatrate, allerdings gibts da ja wieder das Problem mit dem Netz, aber das wird ja fleißig aufgebaut..
Nur das Laptop nicht ins Wasser fallen lassen …
Kommentar von UMTS Flatrate — 23. Januar 2009 @ 13:51