Die Bodensee Segelschule Wasserburg bloggt

Warum gibt es nachts im östlichen Bodenseeteil oft so starken Südwind?

Viele Segler kennen das: Nachts herrscht im östlichen Teil des Bodensee, speziell am deutschen Ufer (hier bei uns in Wasserburg), ein teilweise recht strammer “Süd-Süd-Ost Wind”. Was dem nächtlichen Segler zwar durchaus gefällt, wird für den einen oder anderen, der auf seiner Yacht nächtigen möchte, teilweise zur Qual. Zeitweise bis über 5 Bft. erreichen die nächtlichen Winde.

Doch warum ist das so? Was ist die Erklärung dafür?

Diese Frage haben sich schon viele gestellt. Denn eigentlich gibt es nachts ja einen Landwind, also eher einen ablandigen Wind, was mit der Abkühlung des Landes auf der einen Seite und der konstant bleibenden  Wassertemperatur auf der anderen Seite zu tun hat – das lernen unsere Schüler auch so in jedem Theoriekurs zum Bodenseeschifferpatent.

Und da uns selbst keine 100%ige Erklärung plausibel erschien, haben wir mal einen Wetterprofi von Meteomedia gefragt. Sehr unkompliziert, schnell, nett und ausführlich bekamen wir Antwort, die wir allen Interessierten nicht vorenthalten möchten:

Das Phänomen “nächtlicher Südwind” am östlichen Bodensee hat 2 Ursachen:
1. Talwindsystem Rheintal
2. Land-See-Wind-Zirkulation am Bodensee

Das Talwindsystem wird durch unterschiedliches Aufheizen bzw. Abkühlen von
Alpenvorland und Alpen verursacht. An einem “Schönwettertag” heizen sich
die Alpentäler normalerweise schneller auf als das Alpenvorland, weil in
einem Alpental weniger Luftvolumen geheizt werden muss. Dies führt zu
einem Druckunterschied zwischen Vorland und Alpen (tieferer Druck über den
Alpen), welches die Atmosphäre auszugleichen versucht. Deshalb „saugen“
die Alpen tagsüber Luft an und im Rheintal stellt sich ein Nordwind
(Taleinwind) ein, über dem Bodensee je nach Region ein westlicher Wind.
Nachts ist der Effekt umgekehrt, die geschützten Täler kühlen stärker aus
als das Alpenvorland. Nun beginnt die kalte Luft (schwerer als warme) aus
den Tälern abzufließen. Es stellt sich also ein Talauswind ein, welcher
im Rheintal ein Südwind ist.

Die Land-See-Wind-Zirkulation entsteht durch unterschiedliches
Aufwärmen/Abkühlen von Landmasse und Wasser. Tagsüber heizt sich die
Landmasse schneller auf als das Wasser (kann mehr Wärme speichern und
verteilen), wodurch über Land tieferer Druck herrscht als über Wasser.
Dieser Druckunterschied versucht die Atmosphäre erneut auszugleichen, der
Wind beginnt im Tagesverlauf vom See zu wehen (bei ungestörten
Verhältnissen). Nachts ist es dann umgekehrt, Wasser bleibt wärmer als die
umliegende Landmasse, die viel rascher abkühlt. Somit herrscht über Wasser
der tiefere Druck als über Land und der Wind beginnt in Richtung See zu
wehen.

Auf Grund der Topographie überlagern sich beide Effekte am Bodensee bzw.
werden je nach Wetterbedingungen von großräumigen Effekten (Tief, Hoch,
Front) überlagert/gestört.

So, wieder was gelernt über den Bodensee und die Region. Es war klar, dass es irgendwas mit den Bergen/Alpen zu tun haben muss und dass der Wind aus dem Rheintal kommt auch. Aber die genaue Erklärung ist dann doch neu und durchaus interessant! Dennoch überrascht, dass dies ein so starker Wind ist, denn bis zu 5 Bft. sind keine Seltenheit hier.

All unsere Schüler werden ab sofort auch in den Theoriekursen zum Bodenseeschifferpatent davon erfahren.

An dieser Stelle möchte ich mich nochmals herzlich bei Meteomedia für den guten Service bedanken!


Keine Kommentare

Noch keine Kommentare.

Einen Kommentar hinterlassen

XHTML: Diese Formatierungen können in Kommentaren genutzt werden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>