Wer die Hosen an Bord fallen lässt, lebt gefährlich!
Oft werden die segelnden Männer von den segelnden Frauen bewundert. Warum? Nicht etwa weil sie die besseren Segler wären, nein segelnde Frauen sind zweifelsohne auch gute Segler(innen). Vielmehr ist es die Tatsache, dass bei „dringenden Bedürfnissen“ die Männer es vermeintlich etwas leichter haben, als die Frauen. Gemeint ist nichts anderes als das Urinieren von Bord!
Kurz vor Saisonbeginn waren jedoch verschiedene Stelle davor sich von Bord aus (meist vom Achterdeck) zu erleichtern. Dies kann und ist gefährlich und entspricht nicht guter Seemannschaft, wenn Man(n) sich ungesichert in Richtung achtern bewegt um seiner dringenden Bedürfnisse freien Lauf zulassen. Das weiß auch Ingo Ohrt von der Wasserschutzpolizei in Kiel, der bestätigt „es kommt immer wieder vor, dass männliche Leichen mit heruntergelassener Hose oder offenem Schlitz an den Küsten gefunden werden “.
Ingo Ohrt selbst kann von drei solcher Fälle aus eigener Erfahrung berichten, die Dunkelziffer ist aber bestimmt höher, schließlich werde nicht jeder beim Pinkel gestorbene Segler gefunden, so Orth weiter.
Grundsätzlich gilt der Segelsport als sehr ungefährlich. Dagegen gilt einfaches „Baden“ als gefährlicher Extremsport! Aber dennoch gilt nach wie vor die goldene Regel „eine Hand ist immer für den Segler selbst“. Aus diesem Grund spricht man auch von sog. „Ein-Hand-Regatten“. Weil nur eine Hand für das Arbeiten an Bord der Segelyacht bestimmt ist, die andere für die Sicherheit des Seglers selbst.
Eine weitere Regel ist, dass niemals jemand über Bord gehen darf. Zwar werden „Mann-über-Bord-Manöver“, oder wie es neuerdings heißt „Mensch-über-Bord-Manöver“ sehr genau und gewissenhaft in der Segelausbildung trainiert, dennoch weiß man aber dass bei widrigen Wetterverhältnissen es stets eine große Herausforderung ist den überbordgegangenen Menschen nicht aus den Augen zu verlieren. Aus diesem Grund gehört es auch zur guten Seemannschaft, dass man recht schnell neben einer geeigneten Rettungsweste sich auch an Bord anleint. Dies macht man(n) mithilfe von Lifeline und Lifebelt.
Dies bestätigt auch Jürgen Feyerabend, Leiter der Kreuzer-Abteilung beim DSV: „Wir appellieren an die Segler, dass über Bord fallen tödlich ist.“ Jede gute Segelschule wird hierauf eindringlich sowohl bei der theoretischen, als auch bei der praktischen Ausbildung darauf hinweisen.
Wenn eine Wasserleiche angespült wird, schaut man oft erst einmal, ob der Hosenschlitz auf ist“, sagt Jürgen Albers von der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU), die in Hamburg ansässig ist. Jürgen Albers weiß aber auch zu berichten, dass diese Art von Unfällen – Gott sei Dank – rückgängig sind. Grund hierfür dürfte ein gesteigertes Sicherheitsdenken der Wassersportler sein, aber auch – so Albers Einschätzung – der Einfluss von Frauen an Bord. Diese können nun mal biologisch bedingt sich nicht auf diese gefährliche Art und Weise erleichtern und ermahnen die männlichen Mitsegler dies auch nicht zu tun. Wohl nicht nur aus reinem Neid oder Sicherheitsbedenken heraus, sondern vielmehr weil sie es mit einer Art von Kultur und guten Manieren begründen. Und Recht haben sie!
Bei uns in der Bodensee Segelschule Wasserburg haben wir in den Erwachsenenkursen eigentlich niemals Probleme damit. Meist ist man nicht sonderlich weit vom Wasserburger Hafen entfernt und so legt man(n) in „dringenden Fällen“ eben schnell im Hafen an.
Bei den Segelkursen für Kinder kam es schon hin und wieder vor, dass „etwas in die Hose ging“. Das liegt aber meist daran, dass sich manche Kinder nicht trauen dem Trainerteam mitzuteilen, dass sie einmal auf´s Klo müssen. Aus diesem Grund sprechen wir das explizit in jedem Kurs an und demonstrieren den Kids auch an praktischen Beispielen, dass es kein Problem ist, wenn einer Trainer mit einem Kind mal eben schnell in den Hafen zur Toilette fährt.
Nochmals zum Thema Seemannschaft: Oberstes Gebot muss stets die Sicherheit an Bord sein! Und so sollte auch klar sein, dass Lifeline und Lifebelt möglichst schnell angezogen werden. Egal ob man Pinkeln muss, oder nicht! Auch wenn bestimmt nicht explizit so in den Veröffentlichungen zum Thema Seemannschaft beschrieben, handelt es sich doch dabei um ein Thema, welches nicht gerne diskutiert wird.
Ein anderes Argument, welches gegen das von Bord Pinkeln spricht, ist am Bodensee die Bodensee Schifffahrtsordnung. Diese verbietet dies sogar ausdrücklich.
Dennoch fallen mir bei der Rund Um (wohl eine der größten Binnenregatten in ganz Europa und definitiv die größte am Bodensee) immer wieder diese Bläschen auf dem Wasser auf; speziell wenn man bei wenig keinem Wind nachts im Überlinger See treibt. Da möchte ich dann auch nicht mehr direkt aus dem Bodensee trinke …
In diesem Sinne auf eine gute Wassersportsaison 2008 ohne Unfälle (auch nicht an Bord).
Via Welt


Guten Abend liebe Segelfreunde.
Der o.a. Bericht zu den tödlichen Unfällen mit heruntergelassener Hose oder dem offenen Hosenschlitz ist sehr interessant und sollte auf jeden Fall in der Segelausbildung angesprochen werden. Ich hatte bereits schon von diesem Sachverhalt gehört, doch nun weis ich, wer sich wo damit näher beschäfigt hat oder noch beschäftigt.
Unklar ist mir jedoch, warum nicht der Anteil von angespülten Wasserleichen ins Verhältnis zu denen, mit eben den sog. offenen Hosenschlitz gesetzt werden kann, dann hätte man zumindest einen Anhaltspunkt. Daß die Dunkelziffer höher liegt, läßt sich unschwer vermuten, zumindest an der Küste. Am Binnensee, wie der Bodensee, würde ich vermuten, daß es keine nenneswerte Dunkelziffer geben würde.
Warum nun der Anteil der betreffenden Unfälle rückläufig ist,zumindest am Binnensee. läßt sich wahrscheinlich auch aus der installierten Schiffsausrüstung ableiten, denn die Toilettenausrüstungen wurden preiswerter, demnch auch weiter installiert und das Übrige haben wire sicherlich den Frauen, wie aufgeführt, zu verdanken.
Sollten Sie eine direkte Mailverbindung zum Amt für Seeunfalluntersuchung haben, wäre ich Ihnen um die Weitergabe sehr dankbar.
Mit seglerischen Gruß,
Eugen.Oehlschlaeger@t-online.de
Kommentar von eugen öhlschläger — 9. März 2009 @ 22:30