Die Bodensee Segelschule Wasserburg bloggt

Werden Sportbootführerscheine abgeschafft?

Momentan ist, angeregt durch diverse Charterunternehmen und den Bundesverband Wassersportwirtschaft, eine Diskussion über die Abschaffung (respektive starke Vereinfachung) des Sportbootführerscheinwesens in Deutschland im Gange. Es scheint dass die Lobbyisten der Wassersportwirtschaft, neben den Verbänden DSV und VDWS u.a., den Zugang zu politischen Entscheidungsträgern in Berlin gefunden haben. Bisher hat speziell der Deutsche Seglerverband (DSV) und der Deutsche Motoryachtverband (DMYV) einen großen Einfluss auf die deutsche Gesetzgebung ausgeübt. Nicht zuletzt wurden diese beiden Verbände damit vertraut die amtlichen vorgeschriebenen und amtlich empfohlenen Sportbootführerscheine zu prüfen und auszustellen.


Man darf also gespannt sein, ob sich die neuen Lobbyisten Gehör verschaffen und mit ihrem Ruf nach einer Abschaffung/Vereinfachung des dt. Sportbootführerscheinwesens durchsetzen.

Jetzt könnte man meinen, dass ich persönlich (berufsbedingt) vorbelastet bin und dieser neuen Tendenz gegenüber total kritisch eingestellt bin. Aber ich vertrete eher die Meinung, dass ein gesunder Mittelweg gefunden werden sollte. Eine Abschaffung ist völliger Unsinn. In Schweden (bis dato keine SBF-Pflicht) denkt man aufgrund der hohen Unfallzahlen über eine Einführung eines Scheins nach. Ich erachte eine fundierte Ausbildung als Start in den Wassersport als obligatorische Grundvoraussetzung. Schließlich muss man den einen oder anderen in Deutschland auch zu seinem eigenen Schutz zwingen. Außerdem sehe ich jetzt schon großes Wegklagen, wenn die Versicherungen Schäden nicht mehr begleichen, da sie sich darauf hinausreden, dass die Schiffsführer ja keine Segelpraxis vorweisen können. Also eine komplette Abschaffung der Sportbootführerscheine ist m.E. indiskutabel!

Auf der anderen Seite wäre eine Vereinfachung (nicht unbedingt im Bezug auf Reduzierung der einzelnen Sportbootführerscheine) durchaus wünschenswert. Wir erleben das bei uns fast täglich, dass gerade ältere Anwärter auf See- und Funkscheine sich doch sehr schwer tun. Und oft sind die theoretischen Lerninhalte doch recht speziell und manchmal sehr lastig in Bezug auf See-Gesetzes-Texte. Ich würde mir wünschen, dass die Theorie an mehreren Stellen vereinfacht wird und dafür mehr Wert auf die praktischen Inhalte gelegt wird. So beobachten wir seit längerem, dass beispielsweise am bayerischen Teil des Bodensees oft mehr und qualitativ hochwertiger geprüft wird (Bodenseeschifferpatent), als bei manchen SKS oder Sportbootführerschein-See Prüfungen.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden, es werden durchaus wichtige Manöver in der Praxis abgefragt. Jedoch stimmt m.E. das Verhältnis zwischen dem theoretischen und dem praktischen Teil nicht. Und eine gewisse Praxis (in der Segelschule) kann durch noch so viel Theorie nicht ersetzt werden.

Ich bin gespannt, welche Änderungen nun beim Sportbootführerscheinwesen die dt. Wassersportler erwartet. Und werde mit Sicherheit an dieser Stelle berichten.

Aktuell habe ich gerade im Netz gefunden, dass auch die FDP Bundestagsfraktion nun auf diesen populär erscheinenden Zug aufgesprungen ist. Dass es sich hierbei um einen Schnellschuss handelt und sich die FDP damit nur vor den Karren einiger Charterunternehmen spannen lässt, blieb den MdB´s wohl bisher leider verborgen.

Wie ist die Meinung der Leser zu diesem Thema? Es darf mitdiskutiert werden!


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